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Bräuche & Sitten

 

Hier finden Sie alles rund um Sitten und Bräuche zum Thema Hochzeit!

 

Zur Hochzeit einladen

Mancherorts war es üblich, dass Freunde des Bräutigams das Einladen übernahmen. Sie schossen zwei Wochen vor der Hochzeit vor den Häusern der Gäste ein paar Pistolenschüsse ab. Danach sprachen sie die Einladungen aus und wurden zur Belohnung reichlich bewirtet. Oft gingen am Tage vor der Hochzeit die engsten männlichen Verwandten des Hochzeitspaares mit Sträußen geschmückt von Haus zu Haus, um im Namen des Hochzeitspaares zur Hochzeit einzuladen.

Der "Hochzeitsbitter", sorgte in vielen Gegenden für die Einladung der Gäste. Meist lief er mit Blumen und einem Stock, der mit bunten Bändern geschmückt war. An der Seite hing die (Schnaps-) Flasche, die ihm immer wieder zu füllen war.
Dazu gehörte ein "Hochzeitsbitter-Spruch" in Gedichtform. Dabei zählte er auch die Speisefolge auf und ermahnte, Messer und Gabel mitzubringen.
Am Ende hieß es dann:
"Nun macht euch fein, aber nicht zu fein,
Braut und Bräutigam wollen gern die feinsten sein.

Eine schöne Art einzuladen ist es, wenn das Brautpaar selbst Gäste besucht und persönlich einlädt. Dabei können Absprachen zum Fest getroffen werden, die Hochzeitgeschenke koordiniert werden. In einer persönlichen Einladungskarte kann auch etwas von dem stehen, was am Hochzeitsfest für die künftige Ehe besonders wichtig ist. (Text, Bibelvers, Gedicht, Bild, ...)

In ländlichen Gebieten Bayerns findet man auch heute noch den Brauch, dass der Gast im "Bescheid-Tüchlein" seinen Beitrag zur Hochzeitsfeier mitbringt, damit das Paar und seine Eltern nicht allein alle Kosten tragen müssen. Dieses Tüchlein kommt zum Schluss des festlichen Mahls noch einmal zur Geltung: Dann werden nämlich Reste hineingepackt.
Eine andere alte Sitte: Gegen Ende der Hochzeitsfeier kriechen einige Kinder unter den Tisch und ziehen der Braut den linken Schuh aus. Dann gehen die Kinder reihum und sammeln in diesem Schuh Geld.

Im Mittelalter gab es Gesetze gegen den übertriebenen Luxus bei Hochzeiten. So durfte nicht länger als sieben Tage gefeiert werden. Nach einer brandenburgischen Verordnung durften nicht mehr als vierzig (!) verschiedene Gerichte aufgetragen werden

Polterabend feiern

"Polterabend entfällt" ist oft auf Hochzeitsanzeigen zu lesen. Junge Leute sagen: "Wir haben 100 Gäste auf der Hochzeit, wir wollten alle Freunde einladen und machen keinen Polterabend."
Das Polterfest ist älter als unsere christlichen Hochzeitszeremonien. Mit dem Lärm von zerbrechenden Töpfen und Pfannen, Kannen und Krügen vor dem Haus der Braut meinte man, die Bösen Geister fortscheuchen zu können.
Weil Glas ein Symbol für Glück ist, das ja gerade in der zukünftigen Ehe heil bleiben soll, durfte kein Glas zerworfen werden.
Die Polterscherben mussten auf jeden Fall aus Steingut oder Porzellan bestehen. Bauschutt, Papierberge, Müll und ähnliche aus neuzeitlichen Missverständnissen entstanden, kamen nicht in Frage.

Das Brautkleid in weiß

Mit der Farbe weiß werden "Reinheit, Vollkommenheit, Freude und Festlichkeit, Leben und ungebrochenes Licht" verbunden. So ist seit urchristlicher Zeit Weiß die Farbe des Taufkleides. Sie ist darüber hinaus die Farbe für die Kleidung bei allen Festen, an denen eine Lebenswende gefeiert wird, so bei der Hochzeit, bei der Erstkommunion, beim Eintritt ins Kloster oder beim Tod.
In Verbindung mit dem (Braut-) Schleier drückt sich im weißen Brautkleid die Suche nach Schutz und Geborgenheit aus.

Ein schöner Brauch ist es, aus dem Brautkleid oder dem Schleier später das Taufkleid für das Kind zu nähen

Pfennige für die Brautschuhe

Die Braut bezahlte in machen Gegenden ihre Brautschuhe selbst von den Pfennigen, die sie während der Brautzeit zusammen gespart hatte. Wurde dann der Schuh beim Sammeln vorgezeigt, konnte man sehen, welchen Wert er hatte. Man schloss darauf auf Fleiß und Sparsamkeit der jungen Braut.

Der Brautraub

Es gibt noch den Brautraub , die Entführung der Braut: Ein Freund des Bräutigams entführt die Braut und zieht mit ihr ins nächste Gasthaus, wo der Bräutigam seine Auserwählte mit ein paar Runden freikaufen muss. Ob die römische Sage vom Raub der Sabinerinnen hier Pate stand?
Bei den Griechen schnitten sich Braut und Bräutigam am Tag der Hochzeit eine Locke ab, die sie den Göttern weihten, die Neuvermählte in ihren besonderen Schutz nahmen: Zeus, Hera und Artemis.
Dass der Trauring gegen böse Unholde und Feinde schützen sollte, glaubten früher die Menschen. Im Badischen legte man einem kranken Kind den Ehering auf die Brust. Man versprach sich davon heilende Wirkung.
Und aus der Eifel-, Saar- und Moselgegend wird berichtet, dass auf dem Lande die Hoftür der Braut am Morgen der Hochzeit erst dann dem Bräutigam geöffnet wird, wenn er genügend Lösegeld durch einen Spalt des Tores gesteckt hat.

In Oberhessen wurde bei Hochzeiten die Aussteuer auf einem großen Leiterwagen in das gemeinsame Nest des Brautpaares gefahren. Unterwegs musste ein Wegezoll an die Burschen im Dorf bezahlt werden.

Brot und Licht

Bei der Hochzeit spielen Brot und Licht von jeher eine große Rolle. So prangte in Westfalen inmitten der Hochzeitstafel ein Riesenbrot mit einer Kerze. Das Brot wurde anschließend an die Armen verteilt, die Kerze in die Kirche gestellt.

In Schlesien oder in Hessen reichte der Bräutigam der Braut oder die Brautmutter dem Paar beim Einzug in das neue Heim ein Stück Brot von einem frischen Laib. Ein Stück verwahrte die Braut für alle Zeiten; der Rest des Brotlaibs wurde an die Armen verteilt.

Brot und Salz, Wein und Kerzen können nach örtlichem Brauch auch vor dem Abschluss der Traugottesdienstes überreicht werden, bzw. gesegnet werden.

Blumenkinder & Blütenweg

Blumenkinder waren schon im Altertum Brauch. In Rom liefen Knaben mit Fackeln aus zauberkräftigem Holz voran und andere streuten der Braut Rosenblätter auf den Weg. Im Biedermeier stellte man in England auf den Hausweg Blumen so eng, dass der Schleier der Braut daran streifte und so den Duft der Blumen annahm. Diesen Duft strömte das Kleid dann aus.
Heute werden die Blütenblätter meist von Kindern mit Blumenkörben auf den Weg zum Altar oder nach dem Ja-Wort vor der Kirche oder dem Standesamt gestreut.

Brauthandschuhe

Die Tradition der Brauthandschuhe ist eine der ältesten. Handschuhe hatten im Mittelalter eine Rechtsfunktion. Da die wenigsten des Lesens und Schreibens mächtig waren, galt der Handschuh als Vertrags-Verpflichtung. Bot eine Dame ihren Handschuh an, galt dies als höchste Gunstzuweisung. Ritter trugen den Handschuh ihrer Dame entweder unter der Rüstung am Herzen oder stolz als Wimpel am Helm. Vor dem Altar nun überreichte die Braut dem Bräutigam ihren Handschuh als Symbol der Liebe, und er Erwiderte die Gabe mit seinem Handschuh. Damit wurde der Vertrag, den eine Heirat darstellt, bekräftig. In Belgien überreichte der Priester im Namen des Bräutigams rote Handschuhe. Diese Handschuhe hatten die Bedeutung der heutigen Ringe.

Dosen am Auto

Dieser Brauch hat seinen Ursprung in den Füßen. Füße galten früher als hocherotisches Symbol für Fruchtbarkeit und Liebesglück. Man denke nur an Szenen der Fesseln einer Frau in Kostümfilmen. Da man aber nun schlecht mit Füßen werfen kann, entstand der Brauch, den Brautleuten Schuhe auf dem Nachhauseweg nachzuwerfen oder Schuhe mit Blechdosen an Kutsche oder Auto zu binden. Heute sind davon nur noch die Blechdosen übrig geblieben.

Haube

Unter der Familienhaube. Seit alters her ist die Braut mit einer Krone, einem Kranz oder einer Haube geschmückt. In Nürnberg war das Privileg der Krone auf 40 Familien beschränkt, alle anderen durften sich nur mit einer Haube schmücken. Dort, wo die Braut mit einer Krone oder einem Kranz geschmückt war, wurde diese am Hochzeitsabend gegen eine Haube getauscht. Diese Haube stand als Symbol für den Lebenswechsel. Mit dem Ablegen der Krone oder des Kranzes war in manchen Gegenden ein Spiel verbunden. Die Braut bekam die Augen verbunden und wurde im Kreis gedreht. Alle unverheirateten jungen Mädchen standen um sie herum. Nun warf die Braut Ihre Krone (Kranz) in die Runde, und wer fing, war die nächste Braut. Aus diesem Brauch ist auch unser heutiger Wurf des Brautstraußes entstanden.

Reis

Das heutige Reiswerfen steht als Segenssymbol für die Brautleute. Früher warf man auch Erbsen oder Getreide. Im Gegenzug bringen von der Braut geworfene Äpfel, vornehmlich für die Kinder, Glück fürs Brautpaar.

 

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